Wie Startups aus der Wissenschaft gelingen können

Impulse und Tipps für Gründer bei der Bundeskonferenz der TechnologieAllianz

Wie Startups aus der Wissenschaft gelingen können
Diskutierten auf der Bundeskonferenz der TechnologieAllianz darüber, wie Deutschland seine Gründungs (Bildquelle: Sebastian Becker)

Startups und Gründungen standen im Fokus der diesjährigen Bundeskonferenz der TechnologieAllianz e.V. in Frankfurt a.M. Die durch Erfahrungsberichte und viel Expertenwissen hoch interessante Veranstaltung hatte mit mehr als 200 Teilnehmern eine neue Rekordteilnahme. Mehr als 30 Referenten und Diskutanten aus der Gründerszene, aus Wissenschaft, Politik sowie dem Finanzsektor beleuchteten in Vorträgen und Gesprächsrunden die Frage, wie mehr Startups aus der Wissenschaft besser gelingen und finanziert werden können.

Alfred Schillert, der Vorstandvorsitzende der TechnologieAllianz, betonte, dass die Bedeutung des Wissens- und Technologietransfers in den vergangenen Jahren weiter gewachsen sei. Schillert begrüßte die wichtige Rolle des Wissens- und Technologietransfer im aktuellen Koalitionsvertrag. Matthias Graf von Kielmansegg, Abteilungsleiter am Bundesministerium für Bildung und Forschung knüpfte daran in seiner Begrüßung an und stellte Grundpfeiler der Innovationspolitik der Bundesregierung vor. Zur Weiterentwicklung des Innovationslandes Deutschland gehöre auch die Förderung von Existenzgründungen, führte Schillert aus. Die Sprecher zeigten Lösungen auf, wie Technologietransfer einen Beitrag leisten kann, den Weg zu mehr Innovationen zu ebnen.

„Deutschland hat einen historischen Tiefstand wissensbasierter Gründungen“, führte der Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger in seinem Statement aus, „der Wissenstransfer muss auf neue Beine gestellt werden!“ Der Vorsitzende der Initiative MINT Zukunft e.V. hielt einen programmatischen Vortrag über den Rückgang von Startups aus der Wissenschaft und zeigte, wie Deutschland seine Gründungskultur noch weiter verbessern kann und was Deutschland braucht, um mehr disruptive Gründungen und Innovationen auf den Weg zu bringen.

Von den Erfahrungen einer Gründerin erzählte Catharina van Delden, CEO von Innosabi. Als Firmengründerin berichtete sie von Erfahrungen mit Förderprogrammen und sprach über ihre Zusammenarbeit mit der TU München. Das von Studenten gegründete Unternehmen berät Großkonzerne bei Innovationsprozessen. „Ich fordere nicht, ich mache“, so van Delden in ihrem Vortrag, in dem sie die Umsetzungsmentalität von Gründern in den Vordergrund stellt. „Förderprogramme sollen auf die inhärente Motivation von Gründern aufbauen.“

Einen lebendigen Einblick in eine erfolgreiche Gründung lieferte Prof. Dr. Günther Schuh von der RWTH Aachen. Prof. Schuh ist auch Geschäftsführer der e.GO Mobile AG und Erfinder des StreetScooters, eines Elektrofahrzeugs, das mittlerweile von der Post eingesetzt wird. In Vergleich zu den USA sei es in Europa ungleich schwieriger Startups substantiell zu finanzieren als im Silicon Valley – ein erheblicher Wettbewerbsnachteil für Deutschland. Eigenkapital sei für Gründer aber immens wichtig, so Prof. Schuh. Obwohl Deutschland auf einem guten Weg sei, gäbe es an dieser Stelle noch Nachholbedarf.

In den Podiumsdiskussionen kamen Experten des Wissens- und Technologietransfers und Investoren aus unterschiedlichen Bereichen zu Wort. Michael Brandkamp vom High-Tech Gründerfonds, Ilka Wicke vom Boehringer Ingelheim Venture Fund, Thomas Doppelberger von Fraunhofer Venture und Dr. Ute Günther vom Business Angels Netzwerk Deutschland diskutierten, welche Möglichkeiten sich durch die Unterstützung von Venture Capital, Beteiligungen und Gründungsprogrammen der Landes- und Bundesregierung bieten.

Bei der Konferenz wurde deutlich, dass Startups eine immense Chance im High-Tech-Segment bieten, frühe und innovative Technologien erfolgreich zu entwickeln. Startups sind damit ein wichtiger Faktor die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland zu erhalten. Der Wissens- und Technologietransfer der Universitäten und Forschungseinrichtungen leistet dazu einen entscheidenden Beitrag.

Link zur Veranstaltungsseite:
www.technologieallianz.de/technologieallianz-konferenz/

Die 1994 gegründete TechnologieAllianz – Deutscher Verband für Wissens- und Technologietransfer e.V. vereinigt Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Transfer-Dienstleister in einem bundesweiten, wachsenden Netzwerk mit derzeit rund 60 Mitgliedern. Der Verein fördert den Wissens- und Technologietransfer (WTT) zwischen Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen sowie der Gesellschaft. Über ihre zahlreichen Mitglieder greift die TechnologieAllianz auf Erfahrungen und Forschungsergebnisse von über 150.000 Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zu.
Die TechnologieAllianz treibt die Entwicklung von Standards im WTT voran und berät Institutionen des Bundes und der Länder sowie Unternehmen, um die Rahmenbedingungen für Transferaktivitäten zu optimieren und das Verständnis für Transferprozesse zu erleichtern. Der Verein unterstützt darüber hinaus die Etablierung eines professionellen Berufsstands nicht zuletzt durch weltweiten Erfahrungsaustausch. Insbesondere dienen zahlreiche Veranstaltungen, Weiterbildungsangebote und Projekte der Intensivierung des Transfergeschehens in Deutschland.
Unternehmen erhalten unter www.inventionstore.de bedarfsgerechten und kostenlosen Zugang zu neuesten geschützten Spitzentechnologien aus der Wissenschaft.
Die Arbeit der TechnologieAllianz wird durch strategische Kooperationen mit nationalen und internationalen Partnerverbänden wie z. B. dem BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie), der ATTP (Alliance of Technology Transfer Professionals) sowie dem Verband der europäischen Wissenstransfereinrichtungen ASTP-Proton unterstützt.

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Hoch auf dem gelben E-Wagen: Startup macht Automobilkonzernen Beine

Overengineering verstellt den Blick für den „echten Volkswagen“

Von Ansgar Lange. Die Deutsche Post baut ein eigenes Elektro-Auto. Der ehemalige Staatskonzern will seinen gesamten Fuhrpark umstellen. Die gelben Flitzer werden von Streetscooter http://www.streetscooter.eu/ gebaut. Das Startup wurde 2010 von zwei Professoren und Studenten der RWTH Aachen zunächst als privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinitiative gegründet. Inzwischen hat die Post die Streetscooter GmbH vollständig übernommen.

„Dass ein Logistikriese den deutschen Autogiganten zeigt, wie Elektromobilität geht – wie der Hamburger „Spiegel“ schreibt – lässt aufhorchen. Die Entscheidung der Deutschen Post, den gesamten Fuhrpark für die Paket- und Postzustellung mittelfristig auf E-Transporter umzustellen, ist richtig und nachvollziehbar. Gratulation an die findigen Forscher aus Aachen und an die Post, dass sie sich das Startup geschnappt hat. Absolut nicht nachvollziehbar finde ich aber, dass sich die etablierten Autobauer das Geschäft haben entgehen lassen. Aufgrund des zunehmenden Internethandels ist das doch ein Wachstumsmarkt“, erläutert Michael Zondler vom Stuttgarter Beratungsunternehmen centomo http://www.centomo.de, das sich seit 2006 auf Personalvermittlung im Automobilbereich spezialisiert hat.

Laut „Spiegel“ kommt die deutsche Automobilindustrie mit der Elektromobilität nur schleppend voran – trotz fragwürdiger staatlicher Kaufanreize. „Die Post benötigte einen einfachen, preiswerten und funktionalen E-Lastwagen, ohne viel Schnickschnack und Design“, so das Nachrichtenmagazin. Doch während man bei den Autokonzernen auf taube Ohren gestoßen sei, sei man beim Aachener Startup Streetscooter fündig geworden.

„Overengineering ist ein echtes Problem der Autobranche. Manchmal habe ich Zweifel, ob die Autobauer die wirklichen Interessen der Kunden noch im Blick haben oder auch nur kennen. Aus Angst und Unsicherheit wird das Produkt Auto oft mit Technik überfrachtet, weil dies die Konkurrenz ja auch so macht und die Presse dann selbst über einen Kompaktwagen jubilieren kann: „Assistenzsysteme fast wie in der Oberklasse.“ Selbstverständlich gibt es dafür einen Markt. Doch braucht ein nicht auto- und technikverliebter Kunde, der vielleicht 5.000 bis 10.000 Kilometer im Jahr zurücklegt, wirklich ein Auto, das allen Schnickschnack an Bord hat? Ich denke nicht. Dass die Automobilkonzerne die Anforderungen der Post, einfache und funktionale E-Fahrzeuge zu entwickeln, nicht erfüllen konnte oder wollte, zeigt dies. Alle Konzerne – nicht nur der aus Wolfsburg – sollten sich auch wieder bewusst machen, was es heißt, einen „Volkswagen“ zu bauen“, so Zondler.

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